Zurück zu dir!

Zurück zu dir!

Aus dem Überlebensmodus zurück ins Leben

Transkript

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Willkommen und Einführung: Co-Dysregulation im Familienalltag

Herzlich willkommen zurück, schön, dass du wieder dabei bist. Heute gibt es eine brandaktuelle Folge auf Wunsch einiger Teilnehmerinnen der Nervensystemwoche, die gerade in meinen Gruppen läuft. Die Frage, die heute im Mittelpunkt steht, betrifft sicher viele von uns:

„Henriette, was kann ich tun, sobald die Kinder von der Schule oder vom Kindergarten zu Hause sind? Ich kann dann nicht mehr bei mir bleiben. Ich bin dysreguliert, unruhig, das macht mich nervös, zieht Kraft und Energie.“Eine andere Teilnehmerin schrieb: „Genau das Gleiche ist mit meinem Mann. Wenn der schlecht gelaunt ist, werde ich auch sofort schlecht gelaunt. Was passiert in mir? Was kann ich dagegen tun? Denn es ist alles andere als angenehm.“

Darum geht es heute: Was passiert in uns, wenn wir von der Stimmung anderer mitgerissen werden, und wie können wir damit umgehen? Ich biete dir heute Antworten und praktische Beispiele, Übungen und Tipps, damit du auch in stürmischen Zeiten bei dir selbst bleiben kannst. Viel Freude mit dieser Folge!

Was passiert im Nervensystem? Spiegelneuronen, Neurozeption und Co-Dysregulation

Vielleicht kennst du das selbst: Wenn eines meiner Kinder einen Wutanfall hatte oder sehr aufgeregt war, habe ich gemerkt, wie sich meine eigene Stimmung blitzschnell veränderte. Aus einer entspannten Haltung wurde ich plötzlich wütend, obwohl ich vorher eigentlich gut gelaunt war. Das kann wirklich in Millisekunden passieren.

Was passiert da auf Nervensystemsebene? Unser Körper reagiert über die sogenannten Spiegelneuronen und die Neurozeption, ein Begriff aus der Polyvagal-Theorie. Die Neurozeption beschreibt die ständige unbewusste Wahrnehmung: Ist meine Umgebung sicher oder nicht? Unsere inneren Scanner überprüfen laufend, ob Gefahr droht.

Wenn nun unsere Kinder oder der Partner nach Hause kommen und in einem sehr energiegeladenen oder emotionalen Zustand sind, nimmt unser Nervensystem diese Energie wahr und aktiviert sich automatisch. Es prüft sofort: Was passiert hier? Muss ich vorsichtig sein?

Und jetzt der entscheidende Punkt: Nervensysteme kommunizieren miteinander. Sie reagieren aufeinander wie in einem Zwiegespräch. So kann aus Ko-Regulation, also dem beruhigenden Einwirken auf andere, auch Co-Dysregulation entstehen. Nicht nur können wir einander regulieren, sondern auch dysregulieren – negative Stimmungen oder Unruhe springen über.

Die Dynamik von Stimmung und Verantwortung: Warum reagiere ich so?

Sicher hast du es schon oft erlebt: Jemand kommt mit schlechter Laune zur Tür herein und sofort kippt die Stimmung im ganzen Haus. Das zu verstehen hilft, sich selbst nicht zu verurteilen oder sich falsch zu fühlen. Es ist eine ganz normale, biologische Reaktion – eine Kommunikation zwischen unseren Nervensystemen.

Bevor wir zu den Tipps kommen, ist eine Frage wichtig: Was hat das mit dir selbst zu tun? Warum wirst du so schnell aktiviert, wenn zum Beispiel deine Kinder gereizt nach Hause kommen oder dein Partner schlecht gelaunt ist?

Hier spielt auch deine eigene Geschichte eine Rolle. Besonders, wenn du dazu neigst, ein „People Pleaser“ zu sein – also jemand, der sehr bemüht ist, für Harmonie zu sorgen. Dieses Verhalten entsteht oft schon in der Kindheit, wenn wir gelernt haben, die Stimmung anderer genau zu beobachten und uns verantwortlich fühlen, sie zu verbessern. Das Nervensystem ist dann darauf gepolt, immer für Ruhe und Frieden sorgen zu müssen.

Eigene Trigger und alte Muster erkennen: Verbindung zu früheren Erfahrungen

Wenn dein Nervensystem von klein auf programmiert ist, für Harmonie zu sorgen, gerätst du doppelt unter Druck. Es kann sein, dass bei schlechter Laune im Außen sofort das Gefühl von Gefahr aufkommt. Vielleicht hattest du früher einen cholerischen Vater oder Situationen, in denen schlechte Stimmung Angst bedeutete. Diese alten Muster werden im Heute manchmal ganz automatisch reaktiviert.

Deswegen ist es so wichtig, dich selbst zu fragen: Warum reagiere ich immer so stark, wenn jemand andere schlechte Laune hat? Gibt es in meiner Vergangenheit Situationen, die dazu geführt haben? Diese Reflexion ist ein Schlüssel, um Verständnis für dich selbst zu entwickeln.

Praktische Tipps für den Alltag: Selbstregulation und Übergangsrituale

Nun zu den konkreten Tipps: Wenn du weißt, dass gleich ein emotionales Gewitter ins Haus kommt – vielleicht weil die Kinder oder dein Partner nach Hause kommen – bereite dich bewusst darauf vor. Du kannst Übungen machen, die dein Nervensystem stabilisieren. Atme tief durch, mache kleine Erdungsübungen oder stell dir eine schützende Blase um dich herum vor.

Gönne dir ein paar Minuten Ruhe, bevor alle da sind. Setz dich noch einmal hin, genieße die Stille und bereite dich innerlich darauf vor, dass nun mehr Energie und vielleicht auch Chaos ins Haus kommen.

Ein Übergangsritual kann helfen – nicht nur für dich, sondern auch für die Kinder: Setzt euch gemeinsam aufs Sofa, nehmt euch in den Arm, kommt erst einmal an. Tauscht euch aus oder kuschelt einfach nur. Das bringt Entschleunigung und hilft allen, die Energie zu wechseln und gemeinsam anzukommen.

Umgang mit wütenden Partnern und Familienmitgliedern

Wenn dein Partner oder ein anderes Familienmitglied wütend ist, gönne dir die Freiheit, kurz rauszugehen, dich zu sammeln und dich auf deine eigenen Bedürfnisse zu besinnen. Sag dir innerlich: „Das sind die Gefühle des anderen, sie gehören nicht zu mir.“ Dein Nervensystem bekommt so ein klares Signal von Sicherheit.

Brauchst du gerade einen Moment für dich, ist das in Ordnung. Denn zwei übererregte Nervensysteme können sich nicht wirklich gegenseitig regulieren. Falls dein Kind deine Ko-Regulation braucht und du dich dazu bereit fühlst, dann schenke sie ihm. Wenn nicht, ist es auch absolut in Ordnung, für dich selbst zu sorgen.

Abschlussgedanken und Unterstützung für Mütter

Ich hoffe, du konntest heute wertvolle Hinweise und Anregungen für deinen Alltag mitnehmen. Burnout-Prävention ist ein Weg, und es darf leicht und alltagstauglich sein. Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, lade ich dich herzlich zur kostenlosen Nervensystemswoche oder meinem Kurs ein.

Nimm dir, was du brauchst, und lass den Rest. Es gibt viele Impulse und Übungen, die dich unterstützen, Schritt für Schritt in deine Kraft zurückzufinden.

Ich wünsche dir eine gute Woche und dass du das heutige Wissen für dich nutzen kannst. Alles Liebe!

Über diesen Podcast

Ich bin Henriette Mathieu und helfe dir, deinen Weg aus Erschöpfung oder Mutter-Burnout zu finden.
Du lernst, dein Nervensystem zu regulieren, Eltern-Wut, Trigger und Glaubenssätze zu erkennen, um aus dem Überlebensmodus und People Pleasing herauszukommen.

Wir schauen auf dein Familiensystem und auf deine wichtigsten Beziehungen – früher und heute – und darauf, ob du überhaupt an deinem Platz stehst.
Solange wir unsere Muster aus der Kindheit nicht verstehen, geben wir sie weiter an unsere Kinder.

Ich bin zweifache Mutter und Bonusmutter, traumasensible Coachin und Heilpraktikerin für Psychotherapie i. A., Kongress-Speakerin und ehemalige Lehrerin.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, im Dauerstress zu funktionieren und sich zu fragen: „Was stimmt nicht mit mir?“

Die Antwort ist: Du bist goldrichtig.
Dein Nervensystem ist aus verschiedenen Gründen im Dauer-Alarm und braucht Hilfe.

In diesem Podcast teile ich meine Reise und das, was mir geholfen hat:

Eltern-Wut verstehen – warum du so reagierst, wie du reagierst

Trigger und ihre tiefen Ursachen

Nervensystem und Stressreaktionen

Mutter- und Eltern-Burnout

Emotionale Überforderung im Familienalltag

Wut, Rückzug und Schuldgefühle

Selbst-Regulation statt Selbstkontrolle

Und: was du deinem Kind heute nicht mehr weitergeben musst

Du musst es nicht mehr allen recht machen!

"Zurück zu dir" ist eine Einladung, aus dem Autopiloten auszusteigen und Schritt für Schritt wieder in deinem Leben anzukommen – ohne Perfektionsdruck, ohne Schuldgefühle.

Abonniere gerne den Podcast! Lass uns die Welt etwas friedlicher gestalten!

Mehr über mich:
https://henriettemathieu.com

von und mit Henriette Mathieu

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