Aus dem Überlebensmodus zurück ins Leben
Henriette: Herzlich willkommen zurück hier im Podcast bei Zurück zu dir. Heute gibt es die versprochene zweite Folge zum Thema Geschwisterstreit. Warum streiten unsere Kinder wirklich? Es geht um Bedürfnisse, es geht um Entwicklung und es geht auch ein bisschen ums Familiensystem und die Stimmung bei uns zu Hause. Vielleicht in der letzten Die mag ich dir sehr, sehr ans Herz legen. Falls du sie nicht gehört hast, mache ich einen großen, großen Rundumschlag, um die Faktoren, die dazu führen, wir getriggert werden, was das wirklich mit dir zu tun hat. Also ganz gemäß dem Zurück zu dir. Wie bringen dich die Geschwisterkonflikte deiner Kinder zurück zu dir? Wenn du Lust hast, ein bisschen regulierteres Nervensystem zu bekommen, mag ich dich heute noch einmal einladen, bei der Nervensystemswoche teilzunehmen oder an der Woche teilzunehmen. Die ist gratis, komplett gratis für dich.
Henriette: Die findet Anfang März statt. Du kannst dich eintragen. Den Link findest du in den Shownotes, wie immer eine Woche lang mit kleinen Impulsen, mit knackigen Impulsen und vor allen Dingen ganz viel Regulationsübungen bzw. Tipps, was du für dein Nervensystem tun kannst, um ein bisschen mehr innere Ruhe, Frieden, Balance zu spüren und dadurch eben auch deine Kinder besser begleiten zu können. Und natürlich bekommst du auch Tipps, die du auch direkt mit deinen Kindern anwenden kannst. Da freue ich mich, wenn du mitmachen möchtest und es auch weiterleitest an andere interessierte Eltern, die das gebrauchen könnten. Und nun lass uns starten. Schön, dass du hier bist bei mir im Podcast Zurück zu dir.
Henriette: Ich bin Henriette Mathieu und hier spreche ich über all das, was uns Eltern beschäftigt, wie du deinen Weg aus der Schöpfung und dem Überlebensmodus gehen kannst und dabei endlich wieder zurück zurück zu dir findest. Das Ganze mit viel fundiertem Wissen und Gefühl und eine Menge konkreter Tipps für die Umsetzung. Und nun lehn dich zurück, atme einmal tief durch und entspann dich. Warum streiten unsere Kinder nicht? Weil sie einen schlechten Charakter haben, Weil sie böse sind, weil sie aggressiv oder zu provozierend sind. Es wird ja ganz oft gesagt, er provoziert immer. Ja, vielleicht provoziert er, aber hat einen guten Grund dafür. Das heißt, Geschwisterstrahl ist kein Charakterproblem. Es ist auch kein Erziehungsfehler.
Henriette: Es ist ein Symptom. Wenn Kinder streiten, ist es ein Symptom, was wir ernst nehmen dürfen. Gleichzeitig ist es auch ein natürlicher Entwicklungsprozess. Wenn Menschen zusammenleben, gibt es Konflikte. Und das ist ja auch sehr, sehr wichtig. Und wir wünschen ja alle, dass unsere Kinder in der Zukunft und wenn sie erwachsen sind, für ihre Meinung einstehen können, ihre Grenzen äußern und setzen können, auch Nein sagen können, sagen können, hey, das möchte ich nicht, das ist nicht okay für mich. All das sind ganz, ganz wichtige soziale und emotionale Kompetenzen, die wir ja unseren Kindern vermitteln möchten. Und all das funktioniert sehr gut, indem sie Konflikte haben.
Henriette: Ganz wichtig, die Kinder können das in den seltensten Fällen ganz alleine mit sich ausmachen, weil ihre Nervensysteme und ihr Gehirn einfach noch nicht in der Lage dazu sind. Je älter sie sind, umso mehr Strategien werden sie haben, umso mehr Erfahrung werden sie gesammelt haben. Aber dafür brauchen sie unsere Begleitung. Deswegen ist es so wichtig, dass unser Nervensystem reguliert ist, damit wir die dysregulierten Nervensysteme unserer Kinder begleiten können. Wofür können Geschwisterkonflikte nun ein Symptom sein oder ein Symptom darstellen? Also erstmal gibt es unerfüllte Bedürfnisse. Bedürfnisse sind etwas, was natürlich jeder Mensch hat. Wir haben alle, wir kennen alle die gleichen Bedürfnisse, aber in verschiedenen Lebensphasen sind bestimmte Bedürfnisse wichtiger als andere. Und wir wissen alle, dass Kinder durch verschiedene Autonomiephasen gehen.
Henriette: Und deswegen ist es mir auch wichtig, dass wir da noch mal drauf schauen, dass in jeder Autonomiephase, ganz oft wird es auch als Trotzphase oder so so bezeichnet, Wackel, Zahnpubertät und und und. Ich nenne es einfach Autonomie oder Entwicklungsphasen, kannst du es im Prinzip nennen. Die Kinder gehen die ganze Zeit durch eine Entwicklungsphase, aber es gibt halt so spezielle Phasen, wo sie einen bestimmten Schub machen, wo bestimmte Bedürfnisse sehr wichtig sind. Und da finde ich ganz spannend und wichtig, dass wir das verstehen. Denn wenn diese Bedürfnisse in dieser Phase nicht erfüllt werden, nicht berücksichtigt werden, zum Beispiel wenn ein Geschwisterkind geboren wird, das ältere Geschwisterkind kommt sozusagen zu kurz, bekommt zu wenig das Gefühl von Sicherheit vielleicht oder Gerechtigkeit, empfindet eine ganz große Ungerechtigkeit Wenn das Geschwisterkind geboren wird, dann setzt sich das sozusagen fest. In gewisser Weise ist es wie ein Trauma. Es kann zu einem Trauma werden, das sich im Körper dieses Kindes festsetzt und dann das Leben lang begleitet. Also das kann sein, dass dieser Sinn für Gerechtigkeit und dass du sagst, so mit 16 ist dein Kind, Kind vielleicht immer noch so, so stark in diesem Glauben, es ist ungerecht und immer muss ich den Kürzeren ziehen.
Henriette: Und das kann halt sein, dass das auf ein Trauma in seiner Kindheit zurückführt, als er vielleicht drei Jahre alt war und ein Geschwisterkind gekommen ist. Das heißt, damals war das Bedürfnis unerfüllt und jetzt immer noch ist es für ihn von größter Bedeutung, dass dieses Bedürfnis erfüllt wird. Also in einem Geschwisterstreit gibt es verschiedene unerfüllte Bedürfnisse, die müssen wir anschauen, die sollten wir anschauen und verstehen. Deswegen ist es wichtig, wichtig, dass wir erst mal gucken, okay, welche Grundbedürfnisse gibt es, die in den meisten Fällen dazu führen, dass es Konflikte gibt. Lass uns da einmal draufschauen. Also die erste Autonomiephase, du weißt es so anderthalb, zwei Jahren, wenn das Kind ich, ich, also wenn es so das erste Mal feststellt, ich bin ein eigenes Wesen, ich bin nicht Mama, sondern ich bin ich, ich habe einen Willen und ich möchte mitbestimmen und ich fange an, langsam Dinge zu können, die ich vorher noch nicht konnte, will auf Widerstand trifft auf Regeln oder auf ein größeres Geschwisterkind vielleicht, dann entsteht Reibung und das ist keine Boshaftigkeit, das ist ein Entwicklungsschritt. Da geht es ganz viel darum, Sicherheit, Schutz, immer wieder die Verbindung herzustellen. Das braucht das kindliche Nervensystem in diesem Alter, das braucht es immer.
Henriette: Aber in diesem Alter ist diese Sicherheit und Orientierung ganz, ganz, ganz wichtig. Wenn das Kind keine Sicherheit verspürt, dann möchte es über Machtbestreben die Kontrolle an sich reißen, um sich sicher zu fühlen. Das hatte ich auch in der letzten Folge, glaube ich, kurz angesprochen. Kontrolle ist ein Zeichen für das Bedürfnis von Sicherheit. Ich möchte dann kontrollieren, wenn mir die Sicherheit fehlt. Das heißt, das ist meins, das mache ich die Hose, nur die rote, nicht die blaue. Das bedeutet, okay, damit schenke ich mir Sicherheit, die Sicherheit, die ich vielleicht im Auss nicht habe. Mit zwei, drei kommt auch ganz viel dieses Bedürfnis nach Gerechtigkeit mit dazu.
Henriette: Also einmal Sicherheit, Orientierung, aber auch Gerechtigkeit, das ist meins, das ist nicht deins. Und gerade in dem Alter werden viele Geschwisterkinder geboren, so zwischen zwei und drei Jahren. Hier war das auch der Fall. Und das ist tatsächlich auch das Bedürfnis, das bis heute das größte, unerfüllteste Bedürfnis ist. Also dieses Thema Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit ist ganz, ganz groß. Und ich bringe das ganz stark zusammen, Zusammenhang eben mit dieser Phase, als das Geschwisterkind geboren wurde und auf einmal alles ungerecht war, weil einfach die Aufmerksamkeit zum Kleinen, zum Baby gegangen ist und der Große einfach zu kurz kam. Dann haben wir das Bedürfnis der Identität, der Zugehörigkeit, dieses Verstandenwerdens. Ich möchte verstanden werden, ich möchte gesehen werden, wer bin ich? Gehöre ich dazu, Dass dann, wenn sie so ein bisschen älter sind, wo schon ein bisschen mehr Reflexion auch reinkommt, also sie sind nicht nur ein eigenes Individuum, sondern sie beginnen auch Verantwortung zu tragen.
Henriette: Sie fragen gehöre ich dazu und ich möchte mitbestimmen. Ich möchte als Ernste oder als eigenständige Person und als ja, ich möchte, dass meine Meinung auch gesehen wird, dass das damit einfließt. Das heißt, wenn sie streiten, kann es ganz oft sein, dass diese Bedürfnisse sozusagen unerfüllt geblieben sind und diese Streben nach Zugehörigkeit, zum Beispiel Gemeinschaft, dass das zu kurz kam. Deswegen sie streiten muss nicht sein. Ich gebe jetzt hier nur so Beispiele, dass du es so ein bisschen einordnen kannst. Vielleicht vergleichen sie sich auch stark mit den anderen. Der andere kann das, ich kann das noch nicht, ich möchte aber dazugehören, der hat das und ich habe es nicht. Das kann auch sein.
Henriette: Und dann kommt vielleicht so ein Spruch, du bist blöd und eigentlich heißt es nicht, du bist blöd, sondern du hast etwas, was ich nicht habe Oder du kannst etwas, was ich noch nicht kann und deswegen bist du blöd. Da wird die Sprache dann zur Waffe. Und das bedeutet aber nicht, dass das Kind sagen möchte, du bist blöd, sondern das Bedürfnis dahinter, das dürfen wir entschlüsseln. Und das kann was komplett anderes sein. Ich habe Angst nicht dazuzugehören, deswegen bist du blöd. Je älter sie werden, umso mehr kommt dann die Autonomie, die Individualität, dieser Selbstwert und auch so moralisches Verständnis dazu. Das heißt, sie können die Gefühle besser verstehen, sie entwickeln noch ein tieferes Verständnis für Recht, für Unrecht. Das merkt man auch gerade in der Grundschule, wenn sie dann so dritte Klasse kommen, das ist ungerecht, warum macht der das? Und hier machst du das nicht und gestern hast du aber das gesagt und heute nicht.
Henriette: Also da kann ich mich als Lehrerin noch sehr gut daran erinnern, dass das wirklich so in der dritten Klasse fing das so an, in der vierten hat sich noch zugespitzt, so dieses, die Lehrerinnen und die Eltern sind nicht mehr auf dem Podest der Könige, der Stars, sondern die werden ganz kritisch auf einmal gesehen. Und das ist so dieses, hey, ich grenze mich ab, ne, das finde ich nicht okay. Also ich entwickle eine eigene Meinung, das heißt, da gibt es viele Konflikte drum um diese eigene Meinung, um diese individuelle eigene Meinung, dieses Gerechtigkeitserleben. Und das ist ganz spannend, wenn wir das verstehen, dann erkennen wir auch eher die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Bedürfnissen oder beziehungsweise warum der Streit entstanden ist. Ja und später, je älter sie werden, umso mehr gewinnen die Kinder Individualität, wollen ihren eigenen Weg gehen, wollen ernst genommen werden mit ihrer Meinung und ihren Gedanken, wollen nicht mehr wie kleine Kinder behandelt werden. Und auch das kann dann wiederum zu Konflikten führen, weil sie einfach schon größer werden, weil sie schon erwachsener werden, weil sie schon andere, also das Gehirn ist einfach schon, der Kortex ist schon viel mehr ausgebildet, das heißt, sie können schon viel mehr reflektieren und viel mehr Kontrolle über ihr Leben gewinnen. Ein weiterer Punkt, den ich ganz, ganz, ganz wichtig finde und da habe ich auch schon Podcast Folgen zu gemacht, zu diesem Stehe ich am richtigen Platz im Familiensystem, steht mein Mann, mein Partner am richtigen Platz im Familiensystem? Steht mein Kind am richtigen Platz im Familiensystem? Also hör da gerne noch mal rein, denn ich merke immer wieder in meinen Coachings, wenn wir systemisch arbeiten, wenn ein Kind, sag ich mal, Symptome zeigt in Form von einem Verhalten, was jetzt nicht wünschenswert ist, sage ich mal, also besonders aggressiv ist oder laut ist oder sehr wild oder sehr fahrig aggressiv wird, dass es ganz oft ein Symptom ist für wieder Nervensystemsbrille aufsetzen, fehlende Sicherheit, fehlende Orientierung. Und wo kommt diese fehlende Sicherheit her? Die kommt manchmal in vielen Fällen daher, dass das Kind sich nicht an seinem Platz im Familiensystem fühlt.
Henriette: Ich habe eine Folge zur Tischordnung gemacht, da geht es um die Folge, Steht mein Kind am richtigen Platz? Da spreche ich auch über die Tischordnung und ganz, ganz viele, wirklich sehr viele haben mir zurückgemeldet, wow, die Folge hat mir die Augen geöffnet, weil seit ich diese Tischordnung, diese Sitzordnung am Tisch geändert habe, ist da auf einmal viel mehr Ruhe im System. Jeder weiß auf einmal, wo er hingehört. Der Erste, der Zweite, der Dritte. Und das ist ganz, ganz wichtig. Das heißt, wenn ein Kind sich zum Beispiel auf den Platz des Vaters stellt, was ganz oft passiert, oder meint, es müsste die Mama ersetzen oder meint, es ist das ältere Geschwister, obwohl es eigentlich das Jüngere ist, dann geschieht da Unruhe und Reibung im Familiensystem. Es fehlt die Sicherheit, weil dieses Kind merkt einfach, nee, das ist ja eigentlich gar nicht mein Platz, aber den habe ich aus welchem Grund auch immer angenommen. Das heißt, wenn ein Kind eine Erwachsenenrolle übernimmt, also in die Parentifizierung geht, weil es vermittelt, weil es tröstet, weil es organisiert, weil es vielleicht als älteres Geschwisterteil schon viel zu viel Verantwortung übernimmt, dann kann es sein, dass es von seinem Platz sozusagen runterrutscht, nicht auf seinem Platz ist und dann Symptome zeigt. Es geht immer, immer, immer um Sicherheit und Orientierung.
Henriette: Also wie gesagt, der Platz im Familiensystem spiegelt sich auch im Nervensystem wieder, im ganzen Körper. Wenn ich weiß, wo ich hingehöre, fühle ich mich sicher. Es gibt eine Klarheit, eine Ordnung, eine Orientierung für mich. Es kann auch sein, dass vielleicht bei euch die Rangfolge gestört ist, dass zum Beispiel der Kleine immer zuerst kommt und nicht der Große zuerst und dass der Große sich deswegen ungerecht behandelt fühlt, vielleicht auch an sein Kindheitstrauma erinnert wird, dass er, als das kleine Geschwisterkind geboren wurde, immer zu kurz kam. Das zieht sich so durch. Das heißt, schau da ein bisschen drauf, hör gerne in die Folge noch mal rein, schau da ein bisschen drauf, okay, du bist der Große, heute darfst du mal zuerst dies und jenes tun oder du darfst eine halbe Stunde später ins Bett gehen. Es geht um symbolische kleine Dinge, die aber dem Kind okay, ich bin der Älteste, ich darf das jetzt schon oder ich darf mit Mama diesen Film schon gucken, weil der für ältere Kinder ist und nicht für kleinere. Das sind kleine, ja wirklich keine großen Schritte, sind wirklich kleine Schritte, die du machen kannst, eher wirklich symbolische Handlungen, die aber dem Kind das Gefühl geben, okay, ich bin hier an meinem Platz.
Henriette: Das ist ganz, ganz, ganz wichtig. Kinder brauchen nicht die gleiche Behandlung, sie brauchen eine gleichwertige Behandlung. Das möchte ich auch noch mal unterscheiden. Also es geht nicht darum, dass alle Kinder das Gleiche kriegen, sondern dass geschaut wird, okay, der Neunjährige kriegt schon andere Dinge als die Dreijährige. Logisch. Das heißt, jedes Kind wird in seiner Eigenart gesehen. Jedes Kind darf anders sein, Jedes Kind hat andere Stärken. Jedes Kind bekommt das, was es braucht.
Henriette: Das heißt, die Bedürfnisse des einzelnen Kindes werden erfüllt, nicht die des anderen Kindes. Nur weil das erste Kind dies kriegt, bekommt das zweite das auch. Nein, es geht nicht um diese gleiche Behandlung, sondern um gleichwertige Behandlung. Das ist ganz, ganz, ganz wichtig, das zu betonen. Denn wenn das Kind das Gefühl hat, es kommt zu kurz, dann wird es immer wieder nach deiner Aufmerksamkeit rufen, Deine Zeit, dein Blick, deine Aufmerksamkeit, Mama hier, Mama da. Und das kann wiederum auch zu einem Geschwisterstreit führen, dieses Gefühl für Ungerechtigkeit. Ich möchte die Aufmerksamkeit von Mama nur für mich und ich gönne das nicht meinem Geschwisterkind. Den Streit gibt es auch ganz oft.
Henriette: Und dann mag ich dich wirklich noch mal einladen, in die letzte Folge zu schauen, zu hören, wo ich auch über das Nervensystem gesprochen habe. Das heißt, noch mal zusammengefasst, Kinder haben unreife Nervensysteme und sind auf unsere Koregulation angewiesen. Sie können Frustration nicht gut aushalten. Sie können mit diesen starken Gefühlen gar nicht umgehen. Sie fühlen es einfach in ihrem Körper und dieses Gefühl wird ausgedrückt und es kann sein durch Hauen, Schlagen, Beißen, Schreien. Das heißt, sie explodieren, wenn sie etwas nicht schaffen, wenn sie frustriert sind, wenn das Stressgefäss zu voll ist, dass einfach zu viel an diesem Tag passiert ist, wenn sie überfordert sind von Kindergarten, Schule, von vielleicht Belehrungen, Kritik im Kindergarten oder vielleicht hat ein Freund nicht gespielt im Kindergarten. Und das sind alles so viele Dinge, die wir gar nicht einsehen können und die die Kinder in dem Alter uns auch noch nicht groß erzählen, weil sie wissen das ja selber nicht, die verstehen das ja nicht, die kommen ja nicht nach Hause und ja, Mama, ich streite mich jetzt, weil heute war es wirklich so anstrengend im Kindergarten. Und der Peter, der hat nicht mit mir gespielt und dann hat Erzieherin geschimpft, weil ich gekleckert habe oder weil ich mit dem Stuhl gekippelt habe und dann wollte ich eigentlich nicht schlafen und ich sollte aber schlafen und dann habe ich das Buch nicht gekriegt, was ich gerne lesen wollte und und und und und.
Henriette: Das erzählen sie uns ja nicht. Das heißt, dieses Stressgefäss ist schon so voll ganz oft, dass es dann wirklich nur noch so ein Pups bisschen braucht, damit es überläuft. Und für uns ist das dann wieder dieser Geschwisterstreit, aber eigentlich liegt vielleicht was ganz anderes drunter. Und hier hatte ich auch in der WhatsApp Gruppe, bin ich auch darauf zu sprechen gekommen, dass wenn wir es jetzt mit dysregulierten Nervensystemen zu tun haben und es gibt dysregulierte Nervensysteme, die ganz häufig dysreguliert sind, weil sie durch Neurodivergenz entstehen, also ein neurodivergentes Gehirn, sagen wir mal ADHS, Autismus und so weiter, die haben schon per se ein recht dysreguliertes Nervensystem, ein sehr sensibles Nervensystem. Die Reizvermittlung klappt nicht so gut wie bei neurotypischen Kindern oder neurotypischen Gehirnen. Ich mag diese Begriffe nicht, aber ich verwende sie jetzt trotzdem, damit du weißt, wovon ich spreche. Das heißt, bei neurodivergenten Kindern ist dieses Konfliktpotenzial noch viel, viel höher, weil ihnen einfach diese Frustrationstoleranz fehlt oder sie einfach geringer ist, die Schwelle, die Impulskontrolle fehlt, weil sie schnell sowieso schon in einem gestressteren Zustand sind und dieses Stressgefäss dann viel schneller überschwemmt wird sozusagen. Das heißt, da kann schon ein Lichtreiz ein Auslöser für Stress sein oder eben mehr Lärm, weil einfach das Gehirn diese ganzen einströmenden Reize nicht filtern kann und ausschalten kann, wie das bei neurotypischen Gehirnen ist.
Henriette: Das heißt, eine Schulklasse ist für ein ADHS Gehirn, kann das der blanke Horror sein, was für ein Kind überhaupt nicht schlimm ist, wenn alle Kinder quatschen, kann für ein ADHS Gehir die Hölle sein. Und das dürfen wir auch verstehen, dass dann natürlich zu Hause einfach ist alles zu viel ist. Und da hilft es, also hier bei mir zu Hause hilft es dann wirklich mit ganz viel Ruhe und eigener Regulation reinzugehen und vielleicht einfach nur über den Rücken zu streichen, gar nichts zu sagen, überhaupt so wenig wie Worte wie möglich, wirklich nur vielleicht zu halten. Ich frage dann manchmal so, darf ich dich mal umarmen, Ich möchte dich gerne mal halten, nicht beschuldigen, nicht schimpfen oder nicht bewerten. Ich frage auch manchmal gar nicht, sag einfach nur, hey komm mal her, ich lege einen Arm um ihn rum oder streichel über den Rücken und manchmal merkt man richtig, wie dann so auf einmal was abfließen kann. Das heißt, dieses gesehen werden, gefühlt werden, Wir müssen diesen Nervensystemen, die in Aufruhr sind, die die Gefahr spüren, müssen wir helfen. Das funktioniert über unsere Spür, Spiegelneuronen, über unsere eigene Haltung. Und über die Haltung spreche ich auch in der letzten Folge ganz, ganz, ganz viel.
Henriette: Das heißt, noch mal die Einladung, hör hinein und für heute mache ich jetzt Schluss, damit es nicht zu lang wird. Ich hoffe auch diese Folge hat dir so ein bisschen Einblick gegeben in das Thema. Und wie gesagt, melde dich an für die Nervensystemswoche. Daraufhin findet auch ein Nervensystemskurs statt, der große. Es gibt eine Warteliste, wo du dich auch schon eintragen kannst. Vielleicht bist du schon fest davon überzeugt, dass das für dich was sein sollte. Dann melde dich super, super gerne an. Je früher du dich meldest, umso mehr kannst du davon profitieren und wirst auf jeden Fall als Erster oder Erste informiert werden.
Henriette: Mach es ganz, ganz gut. Pass gut auf dich auf, pass gut auf dein Nervensystem auf. Du wirst merken, es wird sich auszahlen und deine Kinder werden es spüren. Ganz, ganz, ganz liebe Grüße in die große Runde. Ciao, ciao.